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Daylesford Organic

Landleben in Englands Metropole vermarkten

Es ist alles vom Feinsten und alles handgemacht: das mächtig expandierende Bio-Unternehmen der Familie Bamford zeigt, wie man Landidylle, die noch dazu biologisch ist, in London gut verkaufen kann. Kühles Understatement, der Charme ländlicher Gärten und die handwerkliche Herstellung zeichnen die Marke „Daylesford organic“ aus. Inzwischen arbeiten 250 Mitarbeiter für das Bio-Unternehmen der besonderen Art. Was in den vergangenen fünf Jahren aufgebaut wurde, ist für England beispiellos. Landleben wird kultiviert und hochwertig in Szene gesetzt.

Schinken, Wurst und Käse, drapiertes frisches Gemüse und eine gute Weinabteilung: bei Daylesford Organic, fünf Minuten zu Fuß vom Sloane Square in London, gibt es über 400 m² und drei Etagen alles, was das Feinschmeckerherz begehrt. Über den Regalen befinden sich Portraits vom Land: ein Schwein beim Suhlen, eine Kuh auf der Weide, ein Huhn im Gras. Bilder von schönem Gemüse: ein Bund Karotten frisch aus der Erde gezogen, eine Steckrübe mit ihren grünen Blättern, die vor wenigen Sekunden noch im Boden gesteckt hat. Landleben wird kultiviert und hochwertig in Szene gesetzt. Der Laden ist komplett mit weißem Marmor ausgestattet: nicht nur die Wände sowie Fußboden, sondern auch die wuchtigen Regale, die Theken für Backwaren, frische Salate, Käse und Wurst, die Auslagen fürs Gemüse, die Tische für die Gäste, die morgens hier zu Toast oder Croissant ihren „morning tea“ schlürfen. Wer sich über eine derart aufwendige Aufmachung wundert, der bekommt zur Antwort, dass diese Einrichtung am langlebigsten ist und ewig hält. Zudem muss man sich natürlich von der enormen Vielzahl vonDaylesford Frühstückslokalen und Restaurants in London abheben. Bio allein reicht da nicht, da es bereits andere Essensmöglichkeiten in Bio-Qualität gibt. Diese Kombination Bio, absolute Hochwertigkeit und die Sehnsucht nach Landleben ist in London bislang einmalig.

Man könnte fast sagen, es handelt sich um ein englisches Herrmannsdorf. Und Karl-Ludwig Schweisfurth, der Gründer der Herrmannsdorfer Landwerkstätten in Glonn südöstlich von München, heißt hier Sir Anthony Bamford und wohnt rund 120 km westlich von London bei Oxford. Das erforderliche Kapital, das bei Schweisfurths aus dem Verkauf der Firma Hertha-Wurst stammte, kommt im Fall Daylesford Organic von einer Firma, die Bagger verkauft (JCB).

Was in den vergangenen fünf Jahren aufgebaut wurde, ist für England beispiellos. Bereits vor 20 Jahren wurde der landwirtschaftliche Betrieb in Staffordshire, ein Familienerbe, umgestellt. Vor rund zehn Jahren kam der Hof in Daylesford nordwestlich von Oxford hinzu. Beide gemeinsam umfassen 3150 ha (7500 acres), auf denenDaylesford Schweine, Rinder und Hühner gehalten werden. 125 Milchkühe liefern den Rohstoff für den in England hauptsächlich konsumierten Cheddarkäse. 98 % des in der Käserei hergestellten Käses sind Cheddar, der bereits Preise eingeheimst hat. Lediglich 1,5 % sind nach Camembert-Art, 0,5 % nach Feta-Art. Der größte Teil des Käses wird in den eigenen Läden abgesetzt, darüber hinaus werden ein halbes Dutzend Feinkostgeschäfte in London beliefert. Weitere Verkaufsstellen möchte man nicht bedienen, damit die Marke Daylesford Organic weiterhin exklusiv bleibt.

Im November 2002 war ein Edel-Hofladen errichtet worden. Eine Bäckerei, eine Käserei, eine Molkerei und ein Schlachthaus kamen hinzu. Um einen weiteren Anziehungspunkt in der ländlichen Gemeinde zu schaffen, wurde ein Wellnessbereich mit Spa aufgebaut. Nun kommen die Kunden täglich aus Oxford, Bristol und Bath geströmt, um hier authentische Naturprodukte zu kaufen: Brot aus der eigenen Bäckerei, Fruchtjogurt aus der Hofmolkerei, Rind- und Lammfleisch oder etwas vom Hirsch. Die Hirschherde, so heißt es, sei vor zwanzig Jahren zuerst auf Bio umgestellt worden. Inzwischen wird nicht nur das Fleisch verkauft, sondern auch das Fell (Decke) und das verarbeitete Geweih. Letzteres findet man als Griff bei einem Bierflaschenöffner, bei Besteck, bei Weinkorkendrehern oder im Gartenladen als Griff eines 95 Pfund teuren Edelstahl-Grabeschäufelchens wieder. Um sich so etwas zu kaufen, muss man allerdings nicht nur Gartenliebhaber, sondern gartenverrückt und entsprechend betucht sein.

Kaufen kann man dieses besondere Schäufelchen mit dem Hirschhorngriff seit kurzem nicht nur im Gartenladen in Daylesford, sondern auch in dem am 19. Mai 2007 eröffneten „The Garden“-Geschäft, schräg gegenüber dem erwähnten Bio-Delikatessengeschäft, das bereits im Februar eröffnet hatte. Blumen im Topf je nach Saison, schöne Töpfe, Bio-Saatgut und jede Menge Utensilien für den Garten von Handhacken, Handschuhen und Aussaatschnur bis hin zu Büchern. Kerzen im Glas für die Benutzung im Freien, Körbe oder auch Gartenmöbel: es wird alles angebote, was schön, haltbar und praktisch ist – und das im Regelfall zu durchaus normalen Preisen. Die meisten Produkte werden unter der Marke Daylesford Natural verkauft, mit dabei etliches, das von anderen Unternehmen im Auftrag hergestellt wird, wie beispielsweise ein kleines Sortiment an Naturfarben.

Direkt am Sloane Square, ein Steinwurf weit entfernt von der Nobelzeile Sloane Street mit dem berühmten Kaufhaus Harrods, liegt in bester Einkaufslage ein Kleidergeschäft von „Bamford and Sons“, einem Unternehmen von Lady Carol Bamford mit ihren Söhnen. Hier finden sich auf drei Etagen Damen- und Herren-Moden in einem schlichten, aber eleganten Design in weißen, beigen, braunen oder blauen Tönen. Zwei aufwendig gebundene Kataloge – auch die Bilder sind in schwarz-weiß gehalten – vermitteln das passende Lebensgefühl. Den Lifestyle-Fotos sind Sinnsprüche von Henry David Thoreau oder Milton Berle wie „Laughter is an instant vacation“ beigefügt. Hin und wieder finden sich bei den Kleidern auch Hinweise auf Bio-Produktion: bei einigen der wenigen Kinderkleider, bei Herren T-Shirts und bei der Kollektion für Damen. Schrittweise soll der Bio-Anteil ausgebaut werden. Zwei weitere Textilgeschäfte von „Bamford and Sons“ befinden sich in den Stadtteilen Notting Hill und Wimbledon.

Im Untergeschoss des Kleidergeschäfts ist, von außen kaum wahrnehmbar, ein gut gehendes Café mit einem kleinen Speisenangebot untergebracht. Frischgepresste Säfte, z.B. rote Beete/Gurke/Apfel, verschiedene Kaffees und Tees sowie Suppen, Tortilla Wraps, Omelettes, Sandwiches und Salate bieten mittags oder zwischendurch den Gästen ein leicht verdauliches Mahl. „Natürlich ist hier alles aus Bio-Erzeugung“, bestätigt die freundliche Bedienung.

Obwohl Bio, bewegen sich die Preise innerhalb der üblichen Preisspanne in London und betragen 3-13 Pfund. Aus der Region und nach Möglichkeit direkt von Daylesford steht im DaylesfordVordergrund des Warenbezugs. Eine Ausnahme für Gäste, die etwas „Exotisches“ suchen, sind die stillen Wässer weit entfernter Herkünfte: neben England und Wales wird auch Wasser aus Norwegen und Japan angeboten. Hier scheinen die viel beschworenen „food miles“ keine Rolle zu spielen. 36 Plätze an den schweren Tischen bietet das Café. Die Stühle sind so massiv gebaut, dass man sie kaum heben kann, um sie an den Tisch zu rücken. Auch hier ist alles in hellem Grau gehalten, die farbigen drapierten Gemüsebilder an der Wand bringen den Bezug zur gesunden Ernährung: Teltower Rübchen balanciert auf Brokkoli, dieser liegt wiederum auf einer Pastinake. Farbige Faltblätter im A4-Format, die in allen Läden für die Kunden ausgelegt werden, informieren je nach Jahreszeit die zunehmende Zahl von Käufern über die letzten Entwicklungen in und um Daylesford sowie das saisonale Angebot.

Ein weiteres Engagement der Firma Daylesford Organic gibt es im bekannten Riesenkaufhaus Selfridges an der Oxford Street. In der Lebensmittelabteilung – Food Hall – auf etlichen 1000 m² Verkaufsfläche befindet sich auch eine Verkaufsinsel von Daylesford. Eine fünf Meter Frische-Theke bietet die Salate, Sandwiches und Teigtaschen für den schnellen Verzehr oder die Mitnahme nach Hause. Eine dahinter liegende Regalsäule bietet Platz für das Trockensortiment von Marmeladen, Trockenfrüchten oder Pasta.

Seit April 2007 ist Daylesford mit einer Frischfleischtheke in einem der bekannten Bio-Supermärkte Londons, Planet Organic in der Westbourne Grove, vertreten. Da eine Vielzahl potentieller Kunden nicht in der Nähe einer der Verkaufsstellen von Daylesford Organic lebt, bietet das Öko-Unternehmen seit Sommer 2004 auch einen Lieferdienst an. Im Internet kann unter www.daylesfordorganic.com die Produktliste angesehen und direkt per Mail bestellt werden. Um die Rückgabe der Kühlboxen aus Styropor und einer innen liegenden Schafwolldämmung zu belohnen, gibt es bei kostenfreier Rückgabe bei der Post eine Gutschrift. Auch auf einen anderen Punkt ist man in Sachen Verpackung besonders stolz: die Milch wird in umweltfreundlichen Plastiktüten mit Henkel verkauft, die zu über 40 % aus dem Naturstoff Kalk bestehen und energiesparend hergestellt werden. Als Herstellerfirma zeichnet Ecolean verantwortlich.

Über 80 % der verkauften Artikel des über 1000 Produkte zählenden Sortiments werden entweder direkt auf den beiden Höfen von Daylesford erzeugt oder im Lohnauftrag unter der Marke Daylesford Organic hergestellt und in den Verkehr gebracht. Das Unternehmen achtet einerseits sehr auf die eigene Imagebildung als Exklusiv-Marke und etwas Besonderes, andererseits sollen die Produkte für jeden erschwinglich sein. Regelmäßig findet eine Vielzahl von Hofbesichtigungen statt sowie Seminare zu speziellen Themen. Die Konsequenz von Inhalt und Stil, mit der sich Hof, Produktion und Läden präsentieren, beeindruckt die Medien und die Öffentlichkeit. Fast jede Woche erscheint ein Artikel in einer Zeitschrift oder einem Magazin. Vor kurzem kamen Berichte im Time Magazine sowie der Financial Times.

Seit Oktober 2009 ist Daylesford Organic auch in München ansässig.